Angeln an Seerosenfeldern im Frühling – Angeln im Mai 2019

Vorwort

Die typischen Fehnkanäle Ostfrieslands beherbegen eine Vielzahl von Fischarten. Vor allem krautliebende Arten wie Schleien oder Giebel lassen sich hier hervorragend beangeln. Ab April/Mai, also in den ersten warmen Frühlingstagen, bilden Seerosen ihre Blätter aus und bieten somit vielen Fischen und anderen Tieren Schutz. Hier gilt es die Köder zu präsentieren. Henning und ich haben uns in zwei Ansitzen mit der Angelei in den Fehnkanälen beschäftigt und wollen hier ein paar Eindrücke, sowie Tipps und Tricks vermitteln

Was ist ein Fehnkanal?

Ein Fehnkanal ist zunächst einmal ein Kanal – also ein künstlich angelegtes Gewässer. Diese flachen Kanäle wurden ab dem 17. Jahrhundert im Zuge der Moorkolonisierieung ausgehoben und primär zum Transport von Torf und zur Entwässerung der Moorgebiete genutzt. Der Handel mit Torf, welches vorrangig zum heizen genutzt wurde, florierte und so bildeten sich um diese Gewässer die sogenannten Fehnkolonien. Bekannte Fehnkolonien sind heute beispielsweise Großefehn, Rhauderfehn oder Berumerfehn. Die kleineren Fehnkanäle münden nach einiger Zeit in die etwas größeren Tiefs und von da aus ins Meer. Eine Strömung wird nur über Pumpanlagen und Schleusen erzeugt, um den Wasserstand nach Bedarf zu regulieren.

Dies ist ein klassischer Fehnkanal

Gerät

Schnur und Vorfach sollten defintiv dicker gewählt werden, da die Fische in die Seerosenfelder ziehen werden. Meist bekommt man diese dann nur mit Kraft wieder raus. Zudem setzt der Aal sich gerne in den Blättern fest.

Posen sollten nicht bauchig sondern schmal sein, damit der Fisch keinen Widerstand beim Abziehen spürt. Optimal sind hier Posen, wo ein Knicklicht angebracht werden kann.

Fischarten

In den verkrauteten Kanälen fühlen sich besonders karpfenartige Fische wie Giebel, Karausche oder Rotfedern wohl. Doch ganz besonders Schleien lieben diese pflanzenreichen Gewässer. Räuber wie Hechte und Barsche lauern unter den Seerosenblättern auf Nahrung und der Aal schätzt die unzähligen Versteckmöglichkeiten. Während der Aal erst ab der Abenddämmerung aktiv wird, kann die Schleie auch mit Glück schon tagsüber zum Biss überredet werden.

Die Rotfeder ist ein stetiger Bewohner der Fehnkanäle

Ansitze

Ansitz am Tag

Henning und ich machten uns vormittags auf den Weg einen uns noch nicht so bekannten Fehnkanal zu beangeln. Zielfisch war hauptsächlich der Giebel, da diese Fischart in den ersten warmen Frühlingstagen in die flachen Fehnkanäle zieht. Wir rechneten zudem mit Rotfedern und Rotaugen und mit ganz viel Glück einer Tinca.

Um 10:00 Uhr kamen wir am Spot an. Da kaum Wind herrschte bemerkten wir viel Aktivität an der glatten Wasseroberfläche. Da das Wasser in diesem Abschnitt nur 40 cm tief war konnten wir auch viel Großfisch dicht unter der Wasseroberfläche ausmachen.

Ein großes Seerosenfeld – hier platzieren wir die Köder

Im Gepäck hatten wir Feeder- und Posenruten. Als Köder wählten wir Maden, Würmer und Mais. Die Posenmontagen platzierten wir dicht an den Seerosenfeldern, sowie direkt am Rand. Hier sind die natürlichen Fressrouten der Fische, da hier Insekten, Schnecken und andere Kleintiere ins Wasser fallen.

11:10 Uhr: Ein kapitaler Giebel

Um 10:30 Uhr waren die Ruten ausgebracht. Obwohl wir viele Fische sahen wollten diese nicht beißen. Erst eine halbe Stunde später gab es den ersten Biss auf Hennings Feederrute. Der gehakte Fisch war zwar schwer, doch hatte ein Drillverhalten wie ein nasser Sack. Ohne Mühe konnte Henning den dunklen Fisch über den Kescherrand führen. Es war der erste Giebel des Ansitzes und dazu noch ein sehr Großer. Die Schönheit maß stolze 45 cm und wog knappe vier Pfund. Damit konnte Henning seine Bestmarke um einige Zentimeter verbessern. Köder war übrigens ein dickes Bündel aus quirligen Maden.

Henning präsentiert den kapitalen Giebel von 45 cm

12:30 Uhr: Eine Schleie am Mittag

Fischkontakt blieb weiterhin Mangelware. Zwar hatten wir vereinzelt Bisse, doch diese waren allesamt sehr vorsichtig. Wir beköderten nochmals alle Ruten neu und brachten diese wieder aus. Henning zieht seine Würmer komplett auf einen großen Haken auf. Ich war ziemlich skeptisch bei der Hakengröße, doch der nächste Biss sollte mich eines Besseren belehren.

Direkt in einem Seerosenloch zog eine von Hennings Posen ab. Als diese komplett im Wasser verschand setzte Henning den Anschlag und ein sehr kampfstarker Fisch befand sich im Drill. Erst nach mehreren spektakulären Fluchten durch die Seerosen konnte ich die schöne Schleie keschern. Henning war überglücklich, denn diese Schleie von 36 cm war die Erste, die er seit mehreren Jahren fangen konnte.

Hennings erste Schleie seid einigen Jahren

15:00 Uhr: Spotwechsel

Henning machte um 14:00 Uhr einen Abgang. Den hatte er sich auch nach den beiden tollen Fängen verdient. Es ging weiterhin kaum etwas. Ich packte daraufhin auch ein um es ein Stück weiter den Kanal entlang nochmals zu probieren.

Es gab nur wenige seerosenfreie Stellen. An einer ließ ich mich jedoch nieder und brachte diesmal eine Feederrute und eine Sttppe zum Einsatz. An der Oberfläche war zwar keine AKtivität festzustellen, doch unter Wasser biss es nun wie am Schnürrchen. Ich konnte diverse kleine Rotfedern und zwei kleine Barsche an der leichten Stippmontage erwischen. Nach einer guten Stunde packte auch ich ein. Ich nahm einige der Rotfedern für die bevorstehende Raubfischsaison mit.

Ansitz bei Nacht

Am Folgetag trafen Henning und ich uns um 19:00 Uhr am selben Spot wieder. Heute standen nachtaktive Fische wie Schleie und Aal in unserem Fokus. Es war komplett windstill und bei noch 20° C ließ es sich wunderbar in kurzer Hose aushalten. Die Luft war leicht schwül und der Himmel wurde immer wieder von Wolken bedeckt. Ab und an regnete es auch leicht.

Da auf Mais am Vortag nichts lief setzten wir voll und ganz auf Lebendköder wie Würmer und Maden. Zusätzlich kam ein Krabbendip zum Einsatz, umd die Fische noch mehr zum Biss zu reizen.

Die Wurmmontagen platzierten wir wie zuvor an den Seerosenfeldern und an die Uferkanten. Ich setzte zusätzlich auf eine Feederrute, da ich hoffte auf dem angelegtem Futterplatz würde sich im Laufe des Ansitzes ein schöner Fisch einfinden. Hier bot ich ein Madenbündel an.

Die Posen wurden nah an den Seerosen platziert

19:30 Uhr: Rotfedern ohne Ende

Meine Feederrute wurde schon kurz nach dem Ausbringen gefordert. Feine Bisse zeigten die Aktivität von Kleinfisch an. Und in der Tat konnte ich recht zügig mehrere Rotfedern an den Haken bekommen. Ich brauchte die Rute nicht einmal ablegen, da schon Sekunden nach dem Auswerfen ein Fisch am Köder war. Auch Henning machte sich den Futterplatz zu Nutze und stippte sich ebenfalls einige Köderfische.

20:45 Uhr: Mein erster Giebel 2019

Der unter Futter gehaltene Platz lockte nun wie geplant auch größere Fische an. Ein ordentlicher Ausschlag der Feederspitze forderte meine AUfmerksamkeit und ich schlug schnell an. Dieser Kämpfer war nicht mit den kleinen Rotfedern zu vergleichen, doch ich konnte den Fisch gekonnt von Kraut und Hindernissen fernhalten. Schnell war auch Henning zur Stelle und kescherte den karpfenähnlichen Fisch für mich. Es war mein erster Giebel des Jahres. Mit 31 cm zwar nicht der Größte seiner Art aber dennoch ein für mich seltener Fang. André war zwischenzeitlich zum Besuch erschienen und durfte direkt ein paar schöne Bilder mit seinem Handy machen. Obwohl es schon fast dunkel war, konnte die Kamera erstaunlich helle Bilder machen.

Mein erster Giebel 2019

21:15 Uhr: Ein schöner Aal

Nach mehren Zupfern auf den Posenmontagen kam endlich ein besserer Biss. Meine Pose zog gemächlich aber ausdauernd weg vom Ufer in Richtung Seerosenfeld. Ich ließ dem Fisch bis knapp vor dem Kraut Zeit den Köder ganz aufzunehmen und schlug dann an. Zum Glück spürte ich guten Widerstand und meine Entescheidung noch etwas zu warten zahlte sich aus. Natürlich zog der Fisch direkt in die Seerosen und setzte sich fest. Doch Dank dickerer Hauptschnur und Vorfach konnte ich den Aal mit Kraft aus den Pflanzen zerren. Henning kescherte den schönen Aal dann auch schnell. Der Fang maß 62 cm und biss auf einen mit Krabbendip aufgepeppten halben Tauwurm.

Ein guter Aal hat an den Seerosen gebissen

22:30 Uhr: Fisch am Futterplatz

Die Beißfrequenz war wie am Tag zuvor sehr gering. Die Posen blieben trotz mehrfachem Köderwechsel starr. Lediglich ein Klingeln barchte uns nochmal Aufruhr. Ich hatte vor Einbruch der Nacht ein Aalglöckchen an meine Feederrute montiert, da die Bisse hier ja nur visuell angezeigt werden. Ich schlug sofort an und ein lautes Plättschern übertönte durch die Nacht. Ein größerer Fisch hatte sich das Madenbündel, welches ich nur wenige Minuten zuvor mit einem Erdbeerdip behandelt hatte, schmecken. Nach tollen Drill in dem flachen Gewässer wanderte ein schöner Brassen in den Kescher. Der reichlich dicke Fisch maß 45 cm und wog schätzungweise drei Pfund.

Danach ging nichts mehr und wir bauten um 23:30 Uhr ab. Die Bissfrequenz ließ generell etwas zu wünschen übrig. Dennoch konnten wir in den ersten warmen Frühlingstagen ein paar besondere Fänge präsentieren. Die Fehnkanäle sind halt immer für Überaschungen gut.

Ein Gedanke zu “Angeln an Seerosenfeldern im Frühling – Angeln im Mai 2019

  1. Pingback: Tipps und Tricks / Rückblick Mai / Vorschau Juni – Angeln 2019 – Angeln in Ostfriesland

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s